Twitter und Youtube als politisches Instrumentarium im Iran

Videos per Handy im Iran

Der aktuelle Zustand im Iran ist äußerst prekär. Entgegen vieler Erwartungen wurde Präsident Ahmadinedschad in seinem Amt bestätigt – zumindest wenn man dem offiziellen Wahlergebnis Glauben schenken darf. Der Frust über dieses Ergebnis ist gerade bei der jungen Bevölkerung groß. Sie haben ihre Stimme dem liberalen Hussein Mussawi gegeben, der sich um einen Dialog mit dem Westen bemühte und durch Weltoffenheit überzeugte. Gerade in den ersten Tagen der Wahl kam es zu heftigen Ausschreitungen in der iranischen Hauptstadt Teheran. Menschen gingen auf die Straße und lieferten sich Schlachten mit der Polizei. Vermummte Anhänger des amtierenden Präsidenten fuhren auf Motorrädern durch die Stadt und begegneten den oppositionellen Demonstranten mit Gewalt. Bei Schusswechseln sind bislang 15 Menschen ums Leben gekommen.

Welche Rolle spielen Twitter und Youtube?

Das amerikanische Microblogging-Portal Twitter nimmt derzeit die Position eines wichtigen politischen Instrumentariums ein. Während es aufgrund der enormen Gewalt kaum einem Kamera-Team möglich ist, Aufnahmen zu machen, gibt es immer mehr Demonstranten, die die Geschehnisse mit ihrem Handy filmen und über Youtube verbreiten. Die aktuellsten Geschehnisse werden darüber hinaus über Twitter mit der ganzen Welt kommuniziert – und das in Sekundenschnelle. Das Portal wird auch benutzt, um in kurzer Zeit einen Treffpunkt für Demonstrationen auszumachen oder einen geplanten Zeitpunkt kurzfristig zu verschieben. Posts wie „RT from Iran all cell networks down in Tehran, police confiscating and breaking any camera they see“ des Users othermarlo zeigen, wie schlimm es derzeit ist. Innerhalb weniger Sekunden strömen neue Tweets bei Twitter rein, die die aktuellen Geschehnisse fast in Echtzeit wiedergeben. Auf der anderen Seite zeichnet sich eine starke Solidarität europäischer und amerikanischer User mit den Demonstranten ab. Es scheint, als wolle man gemeinsam gegen das derzeitige Regime kämpfen. Um den vielen individuellen Eindrücken über Twitter auch ein Bild zu verleihen, werden unzählige Videos bei Youtube hochgeladen, die sowohl die Gewaltbereitschaft der Demonstranten gegenüber der Polizei, als auch umgekehrt verdeutlichen. Eines dieser zahlreichen Amateur-Videos ist das folgende:


Doch welche Auswirkungen haben die Bilder, die über Youtube in die Welt transportiert werden und die vielen kurzen Tweets, die über Twitter an die PCs dieser Welt gesendet werden? In den letzten Tagen haben einige große Nachrichten-Sendungen Informationen aus dem Web aufgegriffen – und das fast immer über Twitter und / oder Youtube. Die Macht, die diese subjektiven Beiträge bei Twitter schaffen, ist gewaltig. Auch an Regierungen anderer Staaten gehen diese Informationen nicht vorbei. Die iranischen Demonstranten versuchen so, den internationalen Druck auf die nationalen Geschehnisse soweit zu erhöhen, bis vielleicht sogar das wiedergewählte Regime keinen Bestand mehr hat. Es bleibt abzuwarten.

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